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Refinanzierung energetischer Investitionen

Für Träger ein Kraftakt

Die Umsetzung der Energiewende und Ziele zur Klimaneutralität stellt Entscheidungsträger sozialwirtschaftlicher Unternehmen vor verschiedene große Herausforderungen:

Personelle und zeitliche Ressourcen werden benötigt, um sich mit einer Thematik zu befassen, die nicht das Kerngeschäft der Sozialwirtschaft umfasst. Dabei sind neue Kompetenzen hinsichtlich energetischer Technologien aufzubauen, um Entscheidungen treffen und Maßnahmen umsetzen zu können.

Aber auch mit der Frage, wie solche Investitionen refinanziert werden können, muss sich die Vielzahl sozialwirtschaftlicher Unternehmen intensiv auseinandersetzen.

Anreize für eine energetische Transformation sind vielfältig – die eigene Nachhaltigkeitsstrategie, Autarkie und Kostenersparnisse durch eigene Energieversorgung, Arbeitgeberattraktivität, gesetzliche Anforderung, etc. Doch oftmals scheitert es an der noch ungeklärten Refinanzierung von energetischen Investitionen.

Plant ein sozialwirtschaftliches Unternehmen beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf das Dach ihrer Einrichtung zu setzen, trägt das zwar wesentlich zur Klimaneutralität und zur Unabhängigkeit von Energielieferanten bei, allerdings wird diese Investition von Seiten der Kostenträger als nicht betriebsnotwendig angesehen und daher nicht als Bestandteil der Investitionskostensätze anerkannt.

In der Altenhilfe haben Träger zumindest die Möglichkeit gemäß § 82 Abs. 3+4 SGB XI Investitionsaufwendungen, die durch öffentliche Förderungen nicht vollständig abgedeckt werden, an die Pflegebedürftigen weiterzugeben. Bei den schon jetzt sehr hohen Heimkosten für Selbstzahler:innen ist die Weitergabe dieser Kosten allerdings wettbewerbsbedingt in der Preispolitik kritisch zu prüfen.

In der Eingliederungshilfe sowie in der Kinder- und Jugendhilfe gibt es eine solche Regelung gar nicht. Die durch den Träger kalkulierte Miete für Menschen mit Behinderung in besonderen Wohnformen darf die Sozialmiete nicht überschreiten, weswegen auch hier wenig Spielraum gegeben ist, Investitionsaufwendungen aus energetischer Transformation an die Leistungsberechtigten weiterzugeben.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige Kostenträger die Sachkostensätze aufgrund geringerer Stromkosten durch eine eigene Photovoltaik-Anlage kürzen.

Trotz der wenig vorhandenen systembedingten Refinanzierungsmöglichkeiten gibt es dennoch Hoffnung über andere Wege in die energetische Transformation einzusteigen. So werden derzeit zahlreiche Fördermittelprogramme für die Unterstützung energetische Investitionen aufgelegt, die zum Teil sogar explizit für gemeinnützige Unternehmen konzipiert sind. Darüber hinaus haben Banken den Bereich als neues Investitionsfeld identifiziert und bieten innovative Finanzierungsprodukte speziell für sozialwirtschaftliche Träger an, um mit Fremdfinanzierung energetische Transformationen zu unterstützten.

Neben den Banken bieten zunehmend spezialisierte Unternehmen ihre Kompetenz für Planung, Durchführung und Betrieb von energetischen Maßnahmen als sogenannter Contractor an, der dann auch das Risiko der Investition und des Betriebs trägt. Hier gilt es jedoch, Vertragsmodalitäten verschiedener Contracting-Modelle genau zu prüfen. Auch könnte die Gründung einer eigenen Energiegesellschaft je nach Unternehmenscharakteristik in Betracht gezogen und dadurch weitere steuerliche Vorteile genutzt werden.

Neben den erläuterten Finanzierungsmodellen laufen derzeit zudem verschiedene Aktionen auf Bundes-, Landes- und Verbandsebene, die darauf hinwirken, das Thema Klimaneutralität und darauf abgezielte Investitionsmaßnahmen im deutschen Sozialrecht zu verankern. Hier ist es von zentraler Bedeutung, die Synergien innerhalb der sozialwirtschaftlichen Trägerlandschaft für dieses Ziel zu bündeln und sich gemeinsam dafür stark zu machen.

Wir unterstützen Sie gerne gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern (Ingenieure und Finanzierungspartner) bei einer ganzheitlichen Machbarkeitsanalyse in strategischer, steuerlicher, rechtlicher, technischer sowie betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Kommen Sie gerne auf uns zu.