Pflegebudget - Geldsegen oder Mogelpackung?

Am 23. November 2018 nahm das Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals die nächste Hürde: Der Bundesrat hat das PpSG passieren lassen, so dass die Revolution der Finanzierung des Pflegeaufwands für somatische Krankenhäuser zum 1. Januar 2019 in Kraft tritt.

Durch das Herauslösen der Pflege aus dem bisherigen Finanzierungssystem entsteht ab dem 1. Januar 2020 eine Kombination aus der Abrechnung landeseinheitlicher „Rumpf-Fallpauschalen“ und krankenhausindividuell bepreister Pflegesätze. Ausgangspunkt für das mit den Krankenkassen zu vereinbarende Pflegebudget ist die Summe der Pflegepersonalkosten des jeweiligen Krankenhauses im Jahr 2019. Zudem sind kostenwirksame Änderungen, bspw. Veränderungen in der Anzahl der Pflegekräfte und Tariferhöhungen, zu berücksichtigen. Prinzipiell deckt das Pflegebudget damit die voraussichtlichen Selbstkosten. Ein Aufschlag bis zu maximal 3 % ist für bereits laufende oder neue pflegesubstituierende Maßnahmen, die die Patientensicherheit nicht beeinträchtigen, zu berücksichtigen, sofern das Krankenhaus die Maßnahmen begründet und deren Durchführung nachweist.

Abgerechnet wird das Pflegebudget auf Grundlage des bis zum 30. September 2019 vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) vorzulegenden Pflegeerlöskatalogs, der die bundeseinheitlich zu definierenden Bewertungsrelationen je Belegungstag auf der Intensiv- und Normalstation enthalten wird.

Mit dem vorgeschriebenen Nachweis einer zweckentsprechenden Mittelverwendung und einem 100 %-Ausgleich zwischen verwendeten Mitteln und Abrechnungssumme ist das Selbstkostendeckungssystem für die Pflege am Bett komplett.

Was zunächst wie ein Nullsummenspiel aussieht, kann die Krankenhäuser vor große Probleme stellen:

  • Die Ausgliederung der Pflegekosten aus dem Leistungsportfolio könnte erheblich höher sein als die individuell vorliegenden Pflegekosten. Insbesondere für Krankenhäuser, die ihre Pflegeprozesse hoch professionalisiert haben, wird der maximal 3 %-ige Aufschlag auf die Ist-Pflegepersonalkosten möglicherweise zu gering sein, um die durchgeführten pflegeentlastenden Maßnahmen zu finanzieren.
  • Komplett unabsehbar ist derzeit, welche Auswirkungen die Ausgliederung der Pflege auf den Fallpauschalenkatalog 2020 haben wird. Krankenhausindividuell werden sich dadurch neue Chancen, aber auch erhebliche Risiken ergeben.

Um solche und ähnliche Effekte abzumildern, hat der Gesetzgeber eine Beschränkung des maximalen Budgetverlusts auf 2 % in 2020 und 4 % im Folgejahr eingezogen. Bezugspunkt ist jeweils die Summe aus Gesamtbetrag und Pflegebudget des Vorjahres, sodass schlimmstenfalls knapp 6 % Budgetverlust innerhalb von 2 Jahren drohen. Ab 2022 entfällt diese Absicherung komplett.

  • Zudem können Krankenhäuser mit tendenziell hohen Pflegekosten in Liquiditätsprobleme geraten, wenn es Ihnen nicht gelingt, frühzeitig mit den Krankenkassen eine Budgetvereinbarung zu schließen. Das Gesetz sieht für diesen Fall die provisorische Abrechnung von 130 EUR für voll- und 65 EUR für teilstationäre Belegungstage vor. Sofern die Erlöse aus Rumpf-Fallpauschale und provisorischer Pflegeabrechnung die laufenden Kosten erheblich unterdecken, droht sogar die Zahlungsunfähigkeit. Da Krankenhausbudgets nahezu flächendeckend eher retro- als prospektiv verhandelt werden, könnten relativ viele Krankenhäuser betroffen sein.

Ob die Krankenhäuser künftig mehr oder weniger Geld für die Pflege bekommen, hängt von der Ausgangssituation ab. Lagen die Kosten bisher unter den Erlösanteilen, wurden also Deckungsbeiträge im Bereich der Pflege erwirtschaftet, wird dies künftig nicht mehr möglich sein. Für die Häuser ist es somit unerlässlich, einen Status quo bzgl. der Erlöse und Kosten zu erheben, um künftige Maßnahmen abzuleiten. Zumindest sollte rechtzeitig geklärt werden, ob die provisorische Abrechnung zur Deckung der laufenden Pflegekosten ausreicht. Falls nicht, sollte sich das Krankenhaus um einen frühen Termin für die Budgetverhandlung 2020 bemühen.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie die Folgen der Ausgliederung des Pflegebudgets vorab simulieren möchten! Mit Hilfe unserer Analysetools diskutieren wir mit Ihnen mögliche Handlungsoptionen. 

 

 

Zur News-Übersicht

Ihre Ansprechpartner

  • Birgitta Lorke

    Geschäftsführende Partnerin
    birgitta.lorke@curacon.de
    0 21 02/16 69-122
    »Die Begeisterung für das Gesundheitswesen und die Freude an der gemeinsamen Lösung der Anliegen und Herausforderungen „meiner“ Mandanten sind meine tägliche Triebfeder.«
  • Norbert Schmitt

    Manager
    norbert.schmitt@curacon.de
    0 21 02/16 69-804
    »In allen Fragen rund um Krankenhausentgeltsysteme, Budgetverhandlungen sowie die Landeskrankenhausplanung sorge ich für Ihren Durchblick.«