Pflexit: Krankenhausfinanzierung 2020 im Verzug

Der Betriebskostenfinanzierung allgemeiner Krankenhäuser steht 2020 die größte Veränderung seit Einführung der DRG-Fallpauschalen bevor. Die Selbstverwaltung sollte bis zum 30. September 2019 die Fallpauschalenvereinbarung 2020 inklusive Pflegeerlöskatalog für das neue Pflegebudget abschließen.

Doch nur 90 Tage vor dem Start ist noch vieles ungeklärt.

Wie man hört, hat das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus alle Kataloge rechtzeitig entwickelt und den Gremien der Selbstverwaltung zur Entscheidung vorgelegt. Streit gibt es offenbar vor allem um die Frage, ob die seit wenigen Jahren durchzuführende Sachkostenkorrektur (Abwertung der kalkulierten Kosten des medizinischen Bedarfs bei gleichzeitiger Aufwertung der Personal- und Infrastrukturkosten) vor oder nach der Ausgliederung der Pflegeanteile erfolgt. Die Reihenfolge entscheidet darüber, ob den Krankenhäusern rund 200 Mio. EUR aus der verbleibenden Pauschalvergütung entzogen werden oder nicht.

Aufgrund des Fristablaufs wird nun voraussichtlich das Bundesgesundheitsministerium die ausstehenden Entscheidungen treffen – ob zugunsten der Krankenhäuser, bleibt abzuwarten.

Für die Wirtschaftsplanung 2020 steht zumindest fest, dass für die Berechnung des Bundesbasisfallwerts die Veränderungsrate (3,66 %) und nicht der Orientierungswert (2,99 %) maßgeblich ist. Rechnerisch ergibt sich daraus ein unterer Korridorwert von 3.633,73 EUR, der von der Landesvereinbarung allenfalls durch Ausgleiche für die Vergangenheit unterschritten werden könnte.

Erhöhungen dieser Untergrenze für den Landesbasisfallwert sollten sich noch aus der 0,3%igen Anhebung aufgrund des Wegfalls des Pflegezuschlags sowie der Einpreisung des Hygienezuschlags in die Landesbasisfallwerte ergeben.

Hinsichtlich der drohenden Liquiditätsproblematik bei nicht prospektiver hausindividueller Vereinbarung über das Pflegebudget ist eine Lösung im Rahmen des MDK-Reformgesetzes im Gespräch: Ausgehend von einem provisorischen bundeseinheitlichen Pflegeentgeltwert soll eine Abrechnung auf Basis des Pflegeerlöskatalogs, d. h. der Bewertungsrelationen für die Pflegeleistungen auf bettenführenden Stationen, erfolgen. Der pauschale Ansatz von 130 EUR je vollstationären Tag wäre damit vom Tisch.

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