Höhere Preise bei Pflegeeinrichtungen

Aktuellen Pressmeldungen ist zu entnehmen, dass die Pflegereformen die Heimkosten in die Höhe treiben. Hintergrund ist, dass es Pflegeheimen über die Pflegestärkungsgesetze ermöglicht worden ist, bessere Stellenbesetzungen zu vereinbaren.

Laut einer Statistik des Kassenverbands vdek, auf die sich auch die Bundesregierung beruft, mussten die Heimbewohner im Januar 2017 im Bundesdurchschnitt einen Eigenanteil (EEE) von 554,55 Euro allein für Pflegeleistungen aufbringen. Im Januar 2018 ist dieser Wert laut "Spiegel" auf 593 Euro geklettert. Zusätzlich sind vom Heimbewohner die Kosten für Verpflegung und Unterkunft sowie die sog. Investitionskosten zu tragen.

In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, dass die Kostenbelastungen für eine Vielzahl von Pflegebedürftigen in 2017 aufgrund der erhöhten Leistungen der Pflegekassen im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze zunächst einmal gesunken sind. Durch den im PSG II eingeführten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) ist es zur einer durchschnittliche monatlichen Entlastung von 56 Euro in der ehemaligen Pflegestufe II beziehungsweise 286 Euro in der Pflegestufe III gekommen.

Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Höhe der Vergütung und Pflegequalität. Hierzu ist zunächst aufgrund der bestehenden Unterschiede in der tariflichen Vergütung eine gesonderte Betrachtung zwischen östlichen und westlichen Bundesländern erforderlich.

Im Schnitt zahlen die Heimbewohner in stationären Einrichtungen nach unseren Analysen ausgehend von dem im AOK-Pflegenavigator hinterlegten Daten heute insgesamt nach Abzug des Pflegekassenzuschusses für die pflegebedingten Aufwendungen, die Kosten aus Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten insgesamt einen Eigenanteil im Durchschnitt sämtlicher Einrichtungen in Deutschland von 1.765,09 Euro aus eigener Tasche. Hierbei liegen die Eigenanteile der Einrichtungen in den westlichen Bundesländern mit durchschnittlich € 1.886,36 im Vergleich zu € 1.247,28 in den östlichen Bundesländern deutlich höher.

Nach unseren Analysen ausgehend von dem im AOK-Pflegenavigator hinterlegten Daten führen diese Unterschiede in den Eigenanteilen zwischen den Bundesländern jedoch nicht zu einer schlechteren Benotung der Pflegequalität durch den MDK, da die Heimnoten in den östlichen stationären Pflegeeinrichtungen mit einer durchschnittlichen Note von 1,2 leicht besser ausfällt als in den westlichen Pflegeeinrichtungen (durchschnittlichen Note von 1,3).

Wenngleich die Aussagekraft der Heimbenotung nicht unumstritten ist, lohnt sich eine tiefere Betrachtung, ob es einen Zusammenhang zwischen der Höhe der vom Bewohner zu tragenden Eigenanteile und der Pflegequalität gemessen an der Heimnote gibt:

Vorstehende Grafik zeigt, dass die Pflegequalität mit Ausnahme von einzelnen Ausreißern tendenziell mit steigenden Kosten und den von den Heimbewohnern zu tragenden Eigenanteilen zunimmt. 

Wie Pflegebedürftige vor steigenden Belastungen aus einer verbesserten Personalausstattung und Vergütung geschützt werden können, ist noch offen. Ansatzpunkte lägen darin, dass die Pflegeversicherung mehr Kosten der pflegebedingten Aufwendungen tragen, um den Pflegebedürftigen stärker zu entlasten.

Wie diese steigenden Belastungen aus dem Bereich des gesetzlichen Sozialversicherungssystems von einer im Zuge des demografischen Wandels sinkenden Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alten zukünftig getragen werden sollen, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, ob und in welchem Umfang die Solidargemeinschaft bereit dazu ist, diese steigenden Belastungen zu tragen.

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