Arbeit trotz Krankschreibung?

Der Ärzteverband Marburger Bund hat Anfang September die Einführung einer Teil-Krankschreibung gefordert. Danach soll es Ärzten möglich sein, einen Patienten nur teilweise krank zu schreiben, also z. B. eine tägliche Arbeitsdauer von maximal 4-6 Stunden anzuordnen. Der Ärzteverband erhofft sich dadurch eine Reduzierung von Langzeiterkrankten.

Arbeit bei Krankschreibung ist nicht generell verboten

Bislang heißt es für Ärzte ganz oder gar nicht – also gesund oder krank. Dies bedeutet indes nicht, dass es einem krankgeschriebenen Arbeitnehmer verwehrt ist, während einer Krankschreibung zur Arbeit zu gehen. Fühlt sich der Arbeitnehmer z. B. früher fit als vom Arzt erwartet, benötigt er für eine Rückkehr zum Arbeitsplatz keine ausdrückliche ärztliche „Gesundschreibung“. Der Arbeitgeber hat in diesem Fall allerdings das Recht, ihn wieder nach Hause zu schicken – und sollte dies aufgrund seiner Fürsorgepflicht auch tun, wenn der Arbeitnehmer offensichtlich nicht arbeitsfähig ist.

Stundenweise Wiedereingliederung möglich

Auch eine nur stundenweise Rückkehr an den Arbeitsplatz und eine stufenweise Anhebung der Arbeitsbelastung kennt das Arbeitsrecht schon heute. Im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) können Ärzte mit Einverständnis des Patienten eine stufenweise Wiedereingliederung empfehlen (sog. „Hamburger Modell“). Verpflichtend ist dies jedoch weder für Arbeitnehmer noch für Arbeitgeber. Zudem ist der Arbeitnehmer während der Wiedereingliederung weiterhin uneingeschränkt krangeschrieben.

Der Vorstoß des Marburger-Bundes wird von Kritikern daher als falsches Signal gewertet. Wichtiger sei eine Ausweitung und verpflichtende Umsetzung der bereits existierenden Möglichkeiten. Fakt ist: Arbeit trotz Krankschreibung ist auch heute nicht per se verboten.

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