Mit mehr als 200 Teilnehmenden und zahlreichen Impulsen für die Zukunft der Sozialwirtschaft endete am 25. Juni der vierte ZukunftsKongress Sozialwirtschaft managen auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Unter dem Motto „Verlust. Und Gewinn.“ diskutierten Fach- und Führungskräfte aus Sozialwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zwei Tage lang über die Folgen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Veränderungen – und darüber, wie Organisationen trotz wachsender Herausforderungen handlungsfähig bleiben können.
Der vollständig ausgebuchte Kongress unterstreicht die hohe Relevanz der diskutierten Themen. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck, gesellschaftliche Polarisierung und die Auswirkungen aktueller Reformvorhaben stellen die Sozialwirtschaft vor tiefgreifende Veränderungen. Entsprechend groß war der Bedarf an Austausch, Orientierung und gemeinsamen Lösungsansätzen.
Verlust und Gewinn als zentrale Herausforderung
Das diesjährige Kongressmotto zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Die Vorträge, Diskussionen und Fachforen machten deutlich, dass Verluste und Gewinne in der Sozialwirtschaft weit über wirtschaftliche Kennzahlen hinausgehen. Sie betreffen die Finanzierbarkeit sozialer Leistungen ebenso wie gesellschaftlichen Zusammenhalt, Fachkräftegewinnung, politische Rahmenbedingungen und die Frage, wie soziale Organisationen ihren Auftrag langfristig erfüllen können.
Die Keynotes von Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Ethikerin Prof. Dr. Christiane Woopen und Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, machten deutlich, wie unterschiedlich sich Verluste und Gewinne in der Sozialwirtschaft darstellen – und wie eng beide miteinander verbunden sind. Während Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vor den langfristigen Folgen aufgeschobener Reformen und den Auswirkungen des demografischen Wandels warnte, rückte Prof. Dr. Christiane Woopen die Frage in den Mittelpunkt, was verloren geht, wenn Effizienz zum alleinigen Maßstab wird. Katja Kipping wiederum lenkte den Blick auf die sozialen und gesellschaftlichen Folgen multipler Krisen, die vielerorts von sozialen Organisationen aufgefangen werden müssen.
Trotz unterschiedlicher Perspektiven verband die Referierenden eine gemeinsame Erkenntnis: Die Zukunftsfähigkeit der Sozialwirtschaft entscheidet sich nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen, sondern ebenso an gesellschaftlichem Zusammenhalt, politischer Handlungsfähigkeit und der Fähigkeit, Veränderungen aktiv zu gestalten.
Neben den Keynotes bot der Kongress zahlreiche Diskussionen und Gelegenheiten zum Austausch. Im Mittelpunkt standen Themen wie Personalgewinnung, Digitalisierung, Finanzierung, Governance und Transformation in der Sozialwirtschaft. Besonderes Interesse fanden die parallel stattfindenden Workshops. Im Fokus standen Fragen der Fachkräftegewinnung und Integration, die Auswirkungen der geplanten Pflegereform sowie die Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes. Die intensive Beteiligung zeigte den hohen Bedarf an praxisnahen Lösungsansätzen für die aktuellen Herausforderungen der Branche.
Hohe Resonanz als Signal für den Austauschbedarf
Die hohe Resonanz werteten auch die Veranstalter als Signal für den wachsenden Orientierungs- und Austauschbedarf in der Branche. „Verluste und Gewinne sind in der Sozialwirtschaft weit mehr als betriebswirtschaftliche Kennzahlen“, sagte Dr. Bodo de Vries, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung des Evangelischen Johanneswerks. „Die aktuelle Pflegereform zeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Zukunft sozialer Leistungen miteinander verbunden sind. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die über reine Finanzierungsfragen hinausgehen.“
Auch Kai Tybussek, Geschäftsführer der Curacon Recht GmbH und Partner bei Curacon, zog ein positives Fazit: „Die Sozialwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. In allen drei Hilfefeldern – Eingliederungshilfe, Altenhilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe – liegen Reformpakete mit teils deutlichen strukturellen Einschnitten vor. Umso wichtiger sind Formate, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und gemeinsame Lösungen anstoßen.“
Gunnar Pepping, Mitglied der Geschäftsleitung der Ecclesia Gruppe, betonte die Bedeutung aktiver Gestaltung: „Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Risiken früh erkannt und Veränderungen aktiv gestaltet werden.“
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