Neuigkeiten

Fünf Fragen, die Sie jetzt stellen sollten

Risikofelder, die Aufsichtsgremien im Blick halten müssen

Die wirtschaftliche Stabilität von Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen steht unter einem bislang kaum gekannten Druck: steigende Kosten, Fachkräftemangel, Reformprozesse und erhebliche Investitionserfordernisse treffen auf begrenzte Refinanzierungsmöglichkeiten. 

Für Aufsichtsgremien bedeutet das: Risiken nicht nur „zur Kenntnis nehmen“, sondern gezielt nachfragen, ob angemessene Steuerungsmechanismen existieren. Die folgenden Fragen sollen Ihnen helfen, fünf Risikofelder besonders im Blick zu behalten.

Welchen Liquiditätsrisiken ist unser Unternehmen ausgesetzt?

Liquidität ist die Voraussetzung, um Gehälter, Lieferanten und Kredite zuverlässig bedienen zu können. Gerät der Zahlungsstrom ins Stocken, drohen schnell Mahnläufe, Vertrauensverlust bei Geschäftspartnern und im Extremfall die Gefährdung der Fortführungsfähigkeit. 

Besonders gefährlich sind schleichende Entwicklungen – etwa durch verspätete Kostenträgerabrechnungen, steigende Vorfinanzierungen oder nicht kostendeckende Leistungsbereiche. Aufsichtsgremien sollten daher auf ein enges Liquiditäts-Reporting, belastbare Forecasts und klare Frühwarnindikatoren drängen – einschließlich Szenario-Rechnungen („Was passiert bei Zinsanstieg, Belegungsrückgang, Personalkostenschub?“).

Wie ist unser Unternehmen auf Cyberrisiken vorbereitet?

Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen sind wegen sensibler Daten und zunehmend digitaler Prozesse attraktive Ziele für Cyberangriffe mit existenziellem Schadenspotenzial. Ein Ransomware-Angriff kann die IT-Infrastruktur lahmlegen, Dokumentations- und Abrechnungsprozesse stoppen und den Versorgungsauftrag massiv beeinträchtigen. Neben unmittelbaren Kosten (Lösegeldforderungen, Wiederherstellung, externe Forensik) drohen erhebliche Reputationsschäden und aufsichtsrechtliche Konsequenzen bei Datenschutzverstößen. 

Das Aufsichtsgremium sollte nach dem Reifegrad der IT-Sicherheit fragen: Gibt es ein Informationssicherheits-Management, Notfall- und Wiederanlaufpläne, regelmäßige Schulungen sowie getestete Notfallübungen – oder verlassen wir uns noch auf „gutes Zureden“ und Einzelmaßnahmen?

Bestehen Refinanzierungsrisiken für unser Unternehmen? 

Viele Einrichtungen operieren in Vergütungssystemen, die auf historischen Kostenstrukturen oder pauschalierten Sätzen beruhen. Erlöslogik und Kostenrealität fallen dabei oftmals auseinander. Steigende Tariflöhne, Energie- und Sachkosten werden häufig nur zeitverzögert oder unzureichend refinanziert. Die Folgen sind strukturelle Deckungslücken, die dazu führen, dass vermeintlich „voll belegte“ Angebote dennoch Verluste schreiben. 

Hinzu kommt das Risiko, dass Anpassungsverhandlungen mit Kostenträgern zu spät oder nicht mit der notwendigen Konsequenz geführt werden. Sicht des Aufsichtsgremiums: Es braucht Transparenz darüber, welche Leistungsbereiche kostendeckend sind, welchen Status laufende Verhandlungen haben und ob die Organisation über ausreichende Verhandlungskompetenz und -strategie verfügt.

Wie groß ist der Investitionsstau unseres Unternehmens?

Über Jahre aufgeschobene Investitionen in Gebäude, Medizintechnik, IT oder Pflegehilfsmittel führen zu einem schleichenden Substanzverlust. Kurzfristig werden Budgets geschont, langfristig steigen Instandhaltungskosten, Ausfälle häufen sich, und die Attraktivität für Patient:innen, Bewohner:innen und Mitarbeitende sinkt. Zudem wird es schwieriger, regulatorische Anforderungen und moderne Versorgungsstandards zu erfüllen. 

Für das Aufsichtsgremium ist entscheidend, regelmäßig nach einem belastbaren Investitionskonzept zu fragen: Welche Investitionen sind zwingend, welche nur „wünschenswert“, wie werden sie finanziert und wie vermeiden wir, dass Investitionen ausschließlich über zusätzliche Verschuldung „auf Kante genäht“ werden?

Welche regulatorischen Risiken wirken auf unser Unternehmen ein?

Reformen in der Gesundheits- und Sozialpolitik verändern Rahmenbedingungen teils tiefgreifend – etwa durch neue Qualitätsanforderungen, Dokumentationspflichten, Strukturvorgaben oder Vergütungslogiken. Politische Entscheidungen können einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen. Einrichtungen riskieren, plötzlich mit Angeboten am Markt zu sein, die künftig nicht mehr oder nur eingeschränkt refinanziert werden, oder sie sehen sich mit zusätzlichen Kosten und Bürokratie konfrontiert. 

Unterschätzt wird häufig das Umsetzungsrisiko: Selbst, wenn die Inhalte bekannt sind, fehlen Projektkapazitäten, um rechtzeitig zu reagieren (z. B. Anpassung der Leistungsstruktur, Kooperationen, Schließung von Teilbereichen). Mitglieder von Aufsichtsgremien sollten daher hinterfragen, wie systematisch die Einrichtung regulatorische Entwicklungen beobachtet, bewertet und in strategische Entscheidungen übersetzt – und ob die Organisation für anstehende Reformen konkrete Umsetzungsszenarien erarbeitet hat.

Fazit

Für das Aufsichtsgremium reicht es nicht, sich Risiken abstrakt berichten zu lassen. Entscheidend ist, dass aus den erkannten Risiken konkrete Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Zeitpläne abgeleitet werden – und dass diese nachvollziehbar überwacht werden. 

Die Leitfrage lautet deshalb immer: „Welche Risiken bedrohen aktuell am stärksten unsere wirtschaftliche Stabilität – und wie steuern wir diese aktiv?“ Die Qualität der Antworten zeigt, wie krisenfest Ihre Organisation wirklich aufgestellt ist.

Schließlich gewinnt die Frage „Ist unser Gremium ausreichend qualifiziert für die aktuellen Herausforderungen?“ angesichts wachsender regulatorischer Anforderungen, technologischer Umbrüche und geopolitischer Unsicherheiten zunehmend an Bedeutung. 

Für Aufsichtsgremien reicht es heute nicht mehr aus, auf bewährte Erfahrungen zu vertrauen – gefragt sind Weiterbildung, vielfältige Kompetenzen im Gremium und ein kritischer Blick auf die eigene Zusammensetzung. 

Nur wer Expertise regelmäßig überprüft und gezielt ergänzt, kann seiner Kontroll- und Beratungsfunktion auch in dynamischen Zeiten gerecht werden. Gerne unterstützen wir Sie dabei. Jetzt Kontakt aufnehmen!