Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat Ende September 2025 ein weitreichendes Maßnahmenpaket für das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) beschlossen. Die Reform reagiert auf gestiegene Anforderungen an das Bildungssystem, Fachkräftemangel sowie erhebliche Kostensteigerungen und setzt auf vier zentrale Säulen.
1. Personaloffensive
Mit mindestens 50 Millionen Euro jährlich sollen zusätzliche Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen gewonnen und die Qualifizierung intensiviert werden. Die praxisintegrierte Ausbildung wird erheblich ausgebaut, Kitas mit Ausbildungsplätzen erhalten erstmals gezielte Finanzierungszulagen. Die Anschlussqualifizierung für Kindertagespflegepersonen wird erweitert, um neue Karrierewege zu eröffnen und mehr Fachkräfte langfristig zu binden.
2. Finanzielle Stabilisierung
Ab dem 1. August 2027 steigt die Grundfinanzierung der Kitas jährlich um mindestens 200 Millionen Euro. Zusätzlich investiert das Land über 1,5 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Ein vorgezogener Personalkostenausgleich kompensiert aktuelle Ausgabensteigerungen. Die Reform schafft so mehr Planungssicherheit und minimiert das Schließungsrisiko von Einrichtungen, während Spezialeinrichtungen wie plusKITAs, Sprach-Kitas und Familienzentren langfristig finanziell abgesichert und gebündelt werden.
3. Entbürokratisierung
Die Verwaltungsabläufe werden vereinfacht, um Fachkräfte von unnötigen Dokumentations- und Prüfpflichten zu entlasten. Förderprogramme wie plusKITA, Sprach-Kitas und Familienzentren werden gebündelt und Verwaltungsvorgaben reduziert. Damit gewinnen sämtliche Einrichtungen und deren Teams mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit Kindern.
4. Flexibilisierung der Organisation
Kitas erhalten zukünftig größere Freiheiten bei Personalplanung und Gruppenorganisation. Eltern können Betreuungszeiten künftig in Fünf-Stunden-Schritten variabler buchen, während eine tägliche Mindestkernzeit von fünf Stunden weiterhin garantiert ist. Die Reform passt damit das Angebot stärker an die Lebensrealitäten der Familien an und erhält gleichzeitig verbindliche Qualitätsstandards.
Zeitplan und Ausblick
Die Umsetzung der Reform beginnt ab Sommer 2026, die umfassende finanzielle Anpassung erfolgt zum 1. August 2027. Die finanziellen Strukturen und Fördermodelle werden weiterentwickelt, um Kitas in NRW langfristig zu sichern. Der Austausch mit Kommunen, Trägern und weiteren Akteuren wird fortgesetzt, um die gesetzlichen Änderungen praxistauglich auszugestalten.
Wir halten Sie in den kommenden Ausgaben über weitere Entwicklungen und Details der Umsetzung auf dem Laufenden.