Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser ist so angespannt wie nie zuvor. Laut dem Krankenhaus Rating Report 2025 schreiben über 56 % der Kliniken Verluste, und bei der Hälfte reichen die Liquiditätsreserven nur für zwei Wochen oder weniger. Diese alarmierende Entwicklung stellt auch die Aufsichtsräte vor neue Herausforderungen – insbesondere im Hinblick auf ihre Verantwortung für die finanzielle Stabilität der Einrichtungen.
Die Krankenhausreform 2025 bringt tiefgreifende strukturelle Veränderungen mit sich. Ziel ist eine effizientere und qualitativ hochwertigere Versorgung durch Spezialisierung, Zentralisierung und die Einführung von Leistungsgruppen. Dies kann mitunter das Leistungsangebot von Krankenhäusern erheblich verändern. Gleichzeitig wird perspektivisch das bisherige Finanzierungssystem durch die sogenannte Vorhaltefinanzierung ersetzt, bei der bis zu 60 % der Kosten über ein Grundbudget gedeckt werden sollen. Eine solche Umstellung erfordert von den Krankenhäusern – und damit auch von ihren Aufsichtsräten – ein neues Verständnis von Steuerung und Kontrolle.
Gerade in dieser Übergangsphase ist die aktive Überwachung der Liquidität durch den Aufsichtsrat essenziell. Die Rolle des Gremiums geht dabei weit über die klassische Kontrollfunktion hinaus. Moderne Aufsichtsratsarbeit bedeutet strategische Mitgestaltung, Risikobewertung und die Sicherstellung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. In Zeiten knapper Mittel müssen Investitionsentscheidungen, Personalstrategien und Leistungsangebote kritisch hinterfragt und mit dem Management abgestimmt werden.
Besonders betroffen sind kleinere und ländlich gelegene Kliniken, die durch die Reform zwar strukturell gestärkt werden sollen, aufgrund des langen Reformzeitraums aber auf absehbare Zeit unter erhöhtem wirtschaftlichem Druck stehen. Der Aufsichtsrat muss gemeinsam mit dem Management die Balance zwischen Versorgungsauftrag und Wirtschaftlichkeit wahren. Dazu gehört auch, frühzeitig auf drohende Liquiditätsengpässe zu reagieren – etwa durch die Einforderung transparenter Finanzberichte, die Prüfung von Fördermöglichkeiten oder die strategische Neuausrichtung des Leistungsspektrums.
Ein wirksames Liquiditätsmonitoring sollte daher fester Bestandteil der Aufsichtsratsarbeit sein. Tools wie Liquiditätsstatusberichte, Forecasts und Szenarioanalysen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Einbindung externer Expertise kann zusätzlich zur Qualität der Entscheidungen beitragen.
Fazit
Die Krankenhausreform und die angespannte Liquiditätslage machen deutlich, dass der Aufsichtsrat eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft deutscher Krankenhäuser spielt. Nur durch eine proaktive, strategisch ausgerichtete und finanzbewusste Gremienarbeit kann die Versorgung langfristig gesichert werden.
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