Die Verabschiedung des Krankenhausreformanpassungsgesetzes (KHAG) und der Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) markieren die Fortführung der tiefgreifenden Neuordnung der stationären Versorgung. Jetzt entscheidet sich, welche Häuser den Mut zur Transformation aufbringen – und wer später nur noch auf Vorgaben reagiert.
Rahmenbedingungen und Förderlogik des KHTF
Die Krankenhausreform ist beschlossene Realität. Mit Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), KHAG und Krankenhaustransformationsfondsverordnung (KHTFV) wird in den nächsten Jahren neu geregelt, welche Häuser welche Leistungen in welcher Tiefe erbringen, wie sie finanziert werden und welche Standorte überhaupt eine tragfähige Perspektive haben. Ein „Weiter so“ reicht dafür nicht – gefragt ist Mut zur Transformation. Der KHTF stellt hierfür von 2026 bis 2035 bis zu 50 Milliarden Euro bereit. Gefördert werden strukturelle Veränderungen: Konzentration akutstationärer Kapazitäten, Bildung von Verbünden, Umwandlung zu sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (SÜV), telemedizinische Netzwerke, integrierte Notfallstrukturen, Schließungen mit Nachnutzung sowie zusätzliche Ausbildungskapazitäten. Mit dem KHAG wird die Finanzierung praxistauglicher. Die Fördergelder kommen und mit ihnen die Erwartung, dass Krankenhäuser ihre Strukturen aktiv weiterentwickeln.
Sanierung reicht nicht
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Versuchung groß, sich auf Sanierung zu beschränken: Personal reduzieren, defizitäre Bereiche schließen, Prozesse straffen. Sanierung kann kurzfristig stabilisieren – sie bleibt aber auf Kosten, Kennzahlen und „Feuerlöschen“ fokussiert. Führung erfolgt im Fall von reiner Sanierung meist "top-down", Verantwortung liegt vor allem auf Geschäftsführungsebene, Mitarbeitende werden wenig beteiligt. Kultur und langfristige Zukunftsfähigkeit geraten leicht aus dem Blick.
„Echte“ Transformation
Transformation geht hingegen deutlich weiter. Sie richtet das Leistungsportfolio an künftigen Versorgungsbedarfen und Qualitätsanforderungen aus und verändert Strukturen, Prozesse und Zusammenarbeit grundlegend. Transformation bedeutet: ein klares Zielbild für die Rolle im Versorgungsnetz und eine Führung, die bewusst auf dezentralisierte Verantwortung setzt. Statt nur bestehende Prozesse zu optimieren, werden Organisationseinheiten, Patientenpfade und Schnittstellen neu gedacht – häufig standort-übergreifend, interprofessionell und digital unterstützt. Transformative Führung setzt auf Transparenz und Dialog. Sie macht durch Partizipation der Mitarbeitenden aller Berufsgruppen das Erfahrungswissen im Haus nutzbar und erhöht so die Akzeptanz tiefgreifender Veränderungen.
Zielbilder, Transformationsagenda und Führungskultur
Praktisch heißt das: Krankenhäuser entwickeln Zielbilder für Medizin, Sekundärbereiche, IT und Organisation, prüfen systematisch, für welche Leistungsgruppen sie künftig realistisch Qualitätskriterien und Mindestvorhaltezahlen erfüllen können, und leiten daraus eine Transformationsagenda ab. Diese Agenda umfasst nicht nur Projekte zur Konzentration von Leistungen oder zur Umwandlung von Standorten, sondern auch neue Führungs- und Kommunikationswege, andere Verantwortungszuschnitte und ein Multiprojektmanagement, das viele Veränderungsinitiativen koordiniert. Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Dort, wo Krankenhäuser Mindestmengen, Ambulantisierung oder neue Versorgungsformen nicht nur „abarbeiten“, sondern als Anlass für kooperative Modelle, standortübergreifende Zentren und neue Versorgungslogiken nehmen, werden Versorgungsqualität, Auslastung und Arbeitgeberattraktivität gesteigert. Entscheidend sind dabei eine transparente Kommunikation, Mut zur Delegation, strukturierte Beteiligung der Fachbereiche und eine Kultur, in der Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.
FAZIT
Mut zur Transformation heißt deshalb, nicht nur kurzfristig zu sanieren, sondern bewusst in eine langfristige Entwicklung zu investieren – mit der Bereitschaft, Strukturen infrage zu stellen und Verantwortung zu teilen. Nach Verabschiedung des KHAG ist der Zeitpunkt dafür jetzt: Das Förderfenster ist geöffnet, die Reformziele sind klar, und die Kliniklandschaft ist längst in Bewegung. Wer Transformation konsequent angeht, wird im neuen System zu den Gestaltern gehören und nicht zu denen, die nur auf Entscheidungen anderer reagieren
Dieser Artikel stammt aus unserem Mandantenmagazin Curacontact, das 4 x im Jahr aktuelle Themen für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft, für Öffentlichen Sektor und Kirche aufbereitet. Interesse? Dann füllen Sie ganz einfach das Formular aus. Jetzt abonnieren!