Nach einem Tiefpunkt 2023 (-61) hat sich das Stimmungsbild nach den Rückmeldungen von 251 Teilnehmern in 2025 leicht verbessert (-37), bleibt aber stark negativ. Es zeigt sich in der wirtschaftlichen Entwicklung eine Spaltung:
- 31 % der Einrichtungen berichten von einer Verbesserung des Jahresergebnisses, 26 % von Stabilisierung, aber 37 % von einer Verschlechterung. Für 2025 erwarten 60 % eine Stabilisierung oder Verbesserung.
- Die größten Herausforderungen bei einer zukünftig auch weiterhin stark steigenden Anzahl der Pflegebedürftigen sind weiterhin der Fachkräftemangel (84 %), Digitalisierung (52 %), finanzieller Druck (52 %) sowie wachsende regulatorische Anforderungen (50 %).
- In den Erwartungen glauben nur 20 % an eine große Pflegereform in dieser Legislaturperiode und werden in dieser Erwartung vermutlich auch bestätigt.
- Die Altenhilfe steht weiterhin vor enormen Herausforderungen – jedoch verfügen nur 50 % der Einrichtungen verfügen über ein strategisches Konzept. Strategisches Handeln und Zukunftskonzepte werden zunehmend zur Überlebensvoraussetzung.
Gegen eine große Renaissance der stationären Pflege sprechen der Personalmangel, Kundenpräferenzen, die hohen Eigenanteile und Heimkosten sowie die regulatorische Rahmenbedingungen. Neubauprojekte in der stationären Pflege sind nur noch realisierbar, wenn vor Ort ein klarer Bedarf besteht, der Personalbedarf gedeckt und die Kostendeckung sichergestellt ist. Die stationäre Pflege bleibt zwar notwendig, insbesondere für Menschen mit hohem Pflegebedarf, wird aber nicht mehr im bisherigen Umfang wachsen.
Die Politik setzt verstärkt auf ambulante und innovative Versorgungsmodelle. Wachstum in der Pflegeversorgung wird zukünftig stärker in den weniger personalintensiven Versorgungsformen stattfinden. Auch nach den Ergebnissen des Altenhilfebarometers 2025Die liegt die Zukunft der Pflege in flexiblen, ambulanten und innovativen Wohn- und Versorgungsformen.
Wurde früher unterstellt, dass ambulant betreute Wohnformen in Kombination mit Pflege und Serviceangeboten komplementär das stationäre Angebot ergänzen, ist heute davon auszugehen, dass diese zunehmend als substitutiv wirken.
Ohne grundlegende Reformen, eine massive Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs und eine gezielte, nachhaltige Zuwanderung droht ein Kipppunkt, so dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Die Branche steht vor der Herausforderung, neue Wege zu gehen und innovative Lösungen zu etablieren.
Der Fachkräftemangel in der Altenpflege lässt sich nur durch ein Bündel an Maßnahmen bekämpfen: Bessere Arbeitsbedingungen – auch in Bezug auf eine qualifikations- und bedarfsgerechte Arbeitsorganisation, faire Bezahlung, gezielte Personalgewinnung und -bindung, moderne Ausbildung, Digitalisierung und politische Reformen. Entscheidend ist, dass diese Ansätze flächendeckend und nachhaltig umgesetzt werden.
Wie können Träger von Pflegeeinrichtungen ihre Zukunft absichern? Der Markt ist stark fragmentiert. Standalone‑Träger, die nur eine Einrichtung betreiben, stoßen schneller an Grenzen (Nachhaltigkeit, Compliance, Digitalisierung, Reporting). Verbundbildung/Kooperationen eröffnen die Chance, Skaleneffekte in Einkauf, IT, HR und Steuerung zu erzeugen. Ein größerer Umsatz und gemischtes Portfolio stabilisieren die Lage. Fehlen diese Effekte, steigen Fixkostenlast und Transformationshürden, was auch die Polarisierung in der wirtschaftlichen Situation vergrößert.
Die Polarisierung im Pflegemarkt ist nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Lage, sondern spiegelt auch die Unterschiede in der Kompetenz zur Problemlösung, Strategie und Steuerung wider. Dementsprechend ergeben sich unterschiedliche strategische Handlungsempfehlungen.
Eine Stabilisierungsstrategie ist für alle Träger sinnvoll, die wirtschaftlich unter Druck stehen, strukturelle Schwächen aufweisen oder deren Geschäftsmodell nicht mehr zu den aktuellen Rahmenbedingungen passt. Ziel ist es, die Organisation zu konsolidieren, Effizienz zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Eine Wachstumsstrategie ist für Träger sinnvoll, die wirtschaftlich stabil sind, Innovationspotenzial haben, ihr Portfolio aktiv weiterentwickeln und die Voraussetzungen für Expansion und Kooperation mitbringen. Sie sollten bereit sein, in neue Angebote, Digitalisierung und Personal zu investieren und sich an den Marktbedarfen orientieren. Dieses Wachstum kann organisch durch Ausbau der bestehenden Angebote oder aber auch durch Übernahme anderer Einrichtungen generiert werden.
Fazit:
Die Politik ist gefordert, nachhaltige Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln zu schaffen und Reformen umzusetzen, um die Zukunftsfähigkeit der Altenhilfe zu sichern. Aber auch die Träger in der Altenhilfe müssen angesichts von Personalmangel, Kostendruck und wachsender Komplexität ihr Portfolio, ihre Prozesse und ihre Organisation konsequent weiterentwickeln. Digitalisierung, Kooperationen, strategisches Personalmanagement und eine klare Steuerung sind dabei die zentralen Hebel für Zukunftsfähigkeit und Stabilität.
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