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Transformation der Krankenhauslandschaft erfordert regionale Strategien

Curacon-Branchenreport Krankenhaus

Die deutsche Krankenhauslandschaft befindet sich im vierten Jahr der Reform unter massivem Anpassungsdruck: nicht refinanzierte Kostensteigerungen, Personalknappheit und eine unzureichende Investitionsfinanzierung treffen auf tiefgreifende Änderungen der Planungs- und Vergütungslogik.

Der neue Curacon-Branchenreport Krankenhaus macht deutlich, dass sich die Ausgangslagen der Bundesländer hinsichtlich Versorgungsdichte, Trägerstrukturen und wirtschaftlicher Situation erheblich unterscheiden. Vor diesem Hintergrund kommt der auf Länderebene verorteten Krankenhausplanung eine zentrale Rolle als Instrument der strategischen Ausgestaltung der Versorgungsstrukturen zu. „Die Reforminstrumente setzen einen bundesweiten Rahmen. Wie tragfähige Versorgungsstrukturen aussehen, entscheidet sich aber immer im regionalen Kontext“, so die Curacon-Expert:innen im Branchenreport. „Die Länder verfügen über die Planungsverantwortung – sie müssen diese jetzt konsequent nutzen, statt auf zentrale Standardlösungen zu setzen.“

Heterogene Krankenhauslandschaft

Die Analysen des Branchenreports machen deutlich, dass sich die Krankenhausstrukturen seit 2010 sehr unterschiedlich entwickelt haben. Während die Zahl der Krankenhäuser bundesweit insgesamt um 11 % zurückging, verlief die Anpassung in den Ländern durchaus heterogen: Es bestehen bundesweit erhebliche Entwicklungsunterschiede bei der Bettenanzahl und den Fallzahlen. Auch nach Trägerart und Größenklassen zeigt sich ein fragmentiertes Bild. Private Träger haben ihren Häuseranteil ausgebaut, während öffentliche und freigemeinnützige Träger Marktanteile verlieren. Bei den Betten dominieren weiterhin öffentliche Träger, große Krankenhäuser ab 500 Betten bündeln inzwischen 44 % der gesamten Bettenkapazitäten.

Der Branchenreport folgert: Die Krankenhausreform mit Leistungsgruppen, Vorhaltefinanzierung, Ambulantisierung, Hybrid-DRGs und der bevorstehenden Notfallreform verstärkt die Notwendigkeit, regionale Besonderheiten in der Planung zu berücksichtigen. Hierfür verfügen die Länder über klare Werkzeuge – sie müssen diese jetzt bewusst nutzen.

Krankenhausplanung als strategische Transformationsaufgabe der Länder

Angesichts der bestehenden wirtschaftlichen Herausforderungen gewinnt die Krankenhausplanung der Länder als zentrales Steuerungsinstrument an Bedeutung. Der Curacon-Branchenreport hebt zugleich hervor, dass eine zukunftsfähige Ausrichtung der Versorgungslandschaft nur im Zusammenspiel von Landesplanung und konsequent agierendem Klinikmanagement gelingen kann. Gefordert ist eine Transformationsplanung, die Versorgungsdichte, Erreichbarkeit und regionale Bedarfe differenziert berücksichtigt und Über- und Unterversorgung sowie Parallelstrukturen gezielt adressiert. Der bereits einsetzende „kalte Strukturwandel“ durch Insolvenzen und Standortschließungen wird sich fortsetzen. Vor diesem Hintergrund sollten Fördermittel, insbesondere aus dem Krankenhaustransformationsfonds, nicht zur kurzfristigen Sanierung, sondern vorrangig zur strukturellen Transformation genutzt werden. Krankenhäuser sind gefordert, ihr Geschäftsmodell aktiv in Richtung ambulante und integrierte Versorgung weiterzuentwickeln. Wer diese Weichenstellung unterlässt, riskiert mittelfristig Erlösverluste und Marktanteilsverschiebungen.

Aus Sicht des Branchenreports wird die Art und Weise, wie die Länder ihre Planungshoheit nutzen, maßgeblich darüber mitentscheiden, ob die anstehende Transformation geordnet und versorgungssichernd oder überwiegend über Marktbereinigung und Insolvenzen erfolgt. „Nicht-Handeln ist keine Option“, so die zentrale Aussage des Reports. Krankenhausplanung sollte Ländersache bleiben und zur Grundlage einer gestalteten Transformation werden.

Zentrale Ergebnisse in Zahlen

  • Strukturentwicklung: Die Zahl der Krankenhäuser ging von 2.064 (2010) auf 1.841 (2024) zurück (–11 %), die Bettenzahl sank im gleichen Zeitraum von rund 502.700 auf 472.900 Betten (–6 %).
  • Größenstrukturen: Häuser mit mehr als 500 Betten stellen nur 14 % der Krankenhäuser, verfügen aber über 44 % aller Betten; Krankenhäuser mit weniger als 100 Betten halten rund 5 % der Betten.
  • Auslastung: Die durchschnittliche Bettenauslastung liegt bei 72 %. Psychiatrien erreichen mit 89,9 % eine deutlich höhere Auslastung als der somatische Gesamtmarkt.
  • Trägeranteile: Private Krankenhausträger erhöhen ihren Marktanteil an der Zahl der Häuser von 33 % auf 40 %. Bei der Bettenzahl dominieren öffentliche Träger mit 47 %, freigemeinnützige Träger halten 32 %.
  • Veränderungen stationärer / ambulanter Fallzahlen 2019 bis 2024: Schwerpunkt- und Maximalversorger in der Betten-Größenklasse (300 – 600) und über 600 profitieren am stärksten von der aktuellen Fallentwicklung. Sie zeigen geringere stat. Fallverluste und den stärksten Zuwachs bei ambulanten Fällen. Bei den Trägerarten zeigen die fgm. Krankenhäuser den höchsten Rückgang bei den stat. Fällen, können aber bei den amb. Fälle deutlich wachsen
  • Kosten-Erlös-Schere: Die Gesamtkosten sind seit 2010 um rund 87 % gestiegen, die Erlöse (Basisfallwerte) um rund 43 %. Die Differenzspanne von etwa 44 Prozentpunkten verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck.
  • Investitionslücke: Die Investitionsverpflichtungen der Länder wurden im Zeitraum 2014–2023 nicht einmal zur Hälfte erfüllt. Die kumulierte Investitionslücke beläuft sich auf rund 31,0 Mrd. Euro.

Die Angaben stammen aus dem Curacon-Branchenreport Krankenhaus (April/2026). Mehr erfahren!

Der Curacon-Branchenreport Krankenhaus erscheint halbjährlich und richtet sich an Geschäftsführungen, Vorstände, Fach- und Bereichsleitungen sowie Finanz- und Auf-sichtsgremien in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Er bietet aktuelle und passgenaue Informationen zum Branchenumfeld: Daten aus dem umfangreichen Curacon-Datenpool, exklusiven Sonderveröffentlichungen und aggregierten Marktdaten – eingeordnet durch Curacon-Expert:innen. Neben einer kompakten Darstellung zentraler Kennzahlen liefert der Branchenreport Einschätzungen zu Reformwirkungen, wirtschaftlichen Trends und strategischen Handlungsfeldern, die speziell auf die Anforderungen von Krankenhausträgern zugeschnitten sind.