Die Altenhilfe steht vor großen Herausforderungen – steigende Kosten, Fachkräftemangel und sich wandelnde Rahmenbedingungen prägen die Branche. Doch wie sieht die aktuelle wirtschaftliche Lage wirklich aus? Welche Themen bewegen die Entscheidungsträger:innen?
Altenhilfebarometer 2025
Die Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat das neue Altenhilfebarometer 2025 veröffentlicht und zeichnet damit ein aktuelles Stimmungsbild der Altenhilfe in Deutschland.
Die Ergebnisse zeigen: Zwar ist eine leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erkennbar, doch von einer wirklichen Entlastung kann keine Rede sein. Die Herausforderungen für die Branche bleiben immens.
Die Studie basiert auf einer umfassenden Befragung von über 250 Einrichtungen aus allen Bundesländern und beleuchtet zentrale Themen wie
Fachkräftemangel,
Digitalisierung,
Pflegereform und
strategische Zukunftskonzepte.
Zudem widmet sich die Studie auch wiederkehrenden Themen, wie die Stimmung in der Altenhilfe und die wirtschaftliche Situation.
Entscheidend für die kommenden Jahre wird sein, ob Politik und Kostenträger die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen – etwa eine verlässliche Finanzierung, die Umsetzung der Pflegereform sowie Unterstützung bei der Fachkräftesicherung und Digitalisierung.
Wichtigste Erkenntnisse
Gesamtstimmung bleibt angespannt – leichte, aber fragile Erholung:
Das Barometer verbessert sich von –61 (2023) auf –37 (2025), zeigt aber eine Spaltung der Branche: Einige Einrichtungen berichten von besserer Lage und Wachstum, für viele andere steht weiterhin die Stabilisierung im Vordergrund.
Wirtschaftliche Lage differenziert – rund 60 % erwarten Stabilisierung/Verbesserung:
31 % melden eine Verbesserung des Jahresergebnisses, 26 % eine Stabilisierung, aber 37 % eine Verschlechterung; für 2025 erwarten 60 % der Einrichtungen eine stabile oder bessere wirtschaftliche Situation, u.a. durch neu verhandelte Pflegesätze zur Refinanzierung höherer Personalkosten.
PeBeM wird zunehmend konstruktiver gesehen, bleibt aber ambivalent:
24 % sehen eine Qualitätsverbesserung durch das Personalbemessungsverfahren, der Anteil negativer Einschätzungen sinkt von 74 % (2023) auf 50 %, und 46 % befürworten PeBeM (20 % lehnen es ab). Gleichzeitig führen Neuorganisation der Pflegeprozesse, Kostensteigerungen für Pflegebedürftige und Besetzungsprobleme bei Vorbehaltsaufgaben zu neuen Spannungsfeldern.
Arbeitskräftemangel, Bürokratie und Finanzierung bremsen New Work und Digitalisierung:
84 % sehen Personalgewinnung weiterhin als größte Herausforderung, 71 % nennen Bürokratie, 67 % Kostensteigerungen und 60 % mangelnde Flexibilität der Kostenträger als Hindernisse für New Work. In der Digitalisierung haben zwar viele Einrichtungen Dokumentation (71 %) und Schulungsplattformen (61 %) eingeführt, aber nur 15 % verfügen über eine ausformulierte Digitalstrategie, lediglich 2 % sehen sich als „sehr hoch“ digitalisiert; größte Hemmnisse sind fehlende Refinanzierung (73 %), Zeitmangel (63 %) und Investitionsmittel (55 %).
Strategische Neuaufstellung wird zur Überlebensfrage, nicht zum Nice-to-have:
44 % sehen niedrigen, 30 % hohen Handlungsbedarf bei der Veränderung des Leistungsportfolios, mit Potenzialen u.a. in „stambulanten“ Wohnformen, digitaler stationärer Pflege und betreutem Wohnen (je rund 38–39 %). Gleichzeitig verfügen nur 50 % über ein strategisches Zukunftskonzept; 30 % setzen auf organisches Wachstum, 28 % auf Stabilisierung, nur 2 % planen einen Exit – strategische Klarheit entwickelt sich damit vom Erfolgsfaktor zur Voraussetzung für das Bestehen im Markt.
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Wirtschaftliche Entwicklung: Hoffnung mit Einschränkungen
Rund 60 % der befragten Einrichtungen berichten für das Jahr 2024 über eine wirtschaftliche Stabilisierung oder Verbesserung. Gleichzeitig berichten 37 % von einer Verschlechterung der Lage. Die Ursachen sind vielfältig: steigende Kosten, unzureichende Refinanzierung und Unsicherheiten bei gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Nichtsdestotrotz konnten viele Träger erstmalig die inflations- und tarifbedingten Kostensteigerungen in den Budgetverhandlungen für das Jahr 2024 berücksichtigen, was an einigen Stellen wirtschaftlich für Entlastung gesorgt hat.
Strategische Ausrichtung: Hoher Handlungsbedarf
Die strategische Zukunft der Altenhilfe ist ein zentrales Thema der Studie. So sehen 30 % der Einrichtungen einen deutlichen Bedarf, ihr Leistungsportfolio zu verändern. Zwar erkennen viele Einrichtungen die Notwendigkeit zur Neuausrichtung – etwa durch neue Versorgungsformen wie „stambulante“ Pflege oder betreutes Wohnen – doch es fehlt häufig an konkreten Konzepten und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Zudem verfügt nur ein geringer Teil der Einrichtungen über eine ausformulierte Digitalisierungsstrategie, und auch die Umsetzung der Personalbemessung (PeBeM) bleibt herausfordernd.
Studienkonzept & Stichprobe
Das Altenhilfebarometer ist eine regelmäßige Erhebung, mit der Curacon das Ziel verfolgt, die Stimmung der Altenhilfebranche einzufangen und zu quantifizieren. Dabei wirft die Studie einen detaillierten Blick auf die Gründe etwaiger Verunsicherungen.
Hier fließen die Erfahrungen einer gesamten Branche hinsichtlich ihrer dauerhaften Herausforderungen ein, aber auch neue Themen wie Nachhaltigkeit sind Teil des Stimmungsbildes.
Das Barometer ermöglicht somit einen auch subjektiven Blickwinkel: Wie werden die aktuellen Gegebenheiten der Altenhilfe wahrgenommen und wie schaut die Branche in ihre eigene Zukunft?