Hand mit kleinen Holzwürfeln, die Symbole passend zur Eingliederungshilfe zeigen

Umbauen statt abwarten – Ressourcen neu denken

Unternehmen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe stehen durch BTHG, Fachkräftemangel und Kostendruck vor großen Herausforderungen. Mit der Studie Eingliederungshilfe 2026 macht Curacon Entwicklungen sichtbar und liefert Impulse für effiziente und zukunftsfähige Strukturen.

Studie Eingliederungshilfe 2026

Seit Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes im Jahr 2016 befindet sich die Eingliederungshilfe in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Die neue Curacon-Studie „Umbauen statt abwarten – Ressourcen neu denken“ zeigt, wo die Branche aktuell steht, welche Entwicklungen bereits angestoßen wurden und welche Hürden weiterhin bestehen. 

Ein besonderer Fokus der Studie liegt auf den Themen Digitalisierung und digitale Teilhabe, Finanzierung und Ressourcenmanagement, bauliche Inklusion sowie strategische Entwicklungen der WfbM. Ergänzt werden die Analysen durch Expertenstimmen aus der Praxis, die konkrete Einblicke in Chancen, Spannungsfelder und Good-Practice-Ansätze geben. 

Die Ergebnisse machen deutlich: Innovations- und Entwicklungshemmnisse in der Eingliederungshilfe sind nur bedingt auf eine fehlende Veränderungsbereitschaft der Leistungserbringer zurückzuführen. Entscheidender sind oftmals die strukturellen finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Handlungsspielraum nachhaltig begrenzen. 

Gleichzeitig zeigt die Studie, welche innovativen Leistungsangebote sich dennoch erfolgreich umsetzen lassen, um mehr Personenzentrierung zu ermöglichen und Teilhabe wirksam zu stärken. 

Unstrittig ist: Die Branche steht vor einschneidenden Veränderungen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr „ob“, sondern wie diese Veränderungen im Sinne der Menschen mit Behinderungen gestaltet werden können – mit hoher Motivation und Fachlichkeit der Mitarbeitenden und in einer möglichst vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern, stets unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. 

Wichtigste Erkenntnisse

BTHG-Umsetzung bleibt schleppend und unsicher:

Der Umsetzungsstand des BTHG wird von den meisten Einrichtungen weiterhin eher negativ bis mittel bewertet; die intendierte Personenzentrierung und mehr Selbstbestimmung kommen nur begrenzt bei den Menschen mit Behinderungen an, u.a. wegen hoher Bürokratie, zäher Verhandlungen und unklarer Finanzierungsstrukturen.

Innovative Leistungen scheitern häufig an Systemgrenzen:

Rund drei Viertel der Befragten berichten, dass die Einführung und Finanzierung neuer, innovativer Leistungsangebote eher schlecht gelingt; Innovationshemmnisse resultieren weniger aus fehlender Bereitschaft der Träger, sondern vor allem aus finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, Leistungsträgerpraxis und Personalmangel.

Arbeitskräftemangel ist strategische Schlüsselherausforderung:

Einrichtungen sind in fast allen Funktionsbereichen (pädagogisch, pflegerisch, betreuerisch, Leitung) deutlich vom Arbeitskräftemangel betroffen; dieser führt zu Leistungsanpassungen, Überlastung und wird zur strategischen Frage für Führung, Organisation und Personalmodelle (z.B. Springer- und Personalpools).

Digitalisierung ist angekommen – aber mit großen Hürden:

Die Mehrheit nutzt bereits digitale Akten, Dokumentations- und Planungssoftware sowie Kommunikationsplattformen, während KI-Tools und Assistenztechnologien noch selten sind; größte Herausforderungen sind fehlende Schulungen und digitale Kompetenzen des Personals, Finanzierung technischer Ausstattung, Schnittstellenprobleme sowie Datenschutz und IT-Sicherheit.

Ressourcenmanagement und WfbM-Strategien stehen im Fokus:

74 % wünschen sich weniger Detail- und mehr pauschale Regelungen in Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen; trägerinterne Springer- und Personalpools sowie energetische Sanierungen und flexiblere Immobiliennutzung gelten als besonders hilfreich für die Zukunft. In der WfbM setzen viele Träger auf mehr Kooperationen mit dem allgemeinen Arbeitsmarkt, ausgelagerte Arbeitsplätze und Qualifizierungskonzepte, stehen aber vor Unsicherheit durch angekündigte Reformen wie ein mögliches Werkstättengesetz.

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Faktenüberblick

Ein Einblick

Die Studienteilnehmer:innen bewerten den aktuellen Umsetzungsstand des BTHG – insbesondere mit Blick auf mehr Selbstbestimmung und Leistungen für Menschen mit Behinderungen – überwiegend kritisch; sehr gute Bewertungen bilden die Ausnahme. Die Einrichtungen berichten von anhaltend hoher Bürokratie, zähen Verhandlungs- und Genehmigungsprozessen, einem strukturellen Arbeitskräftemangel und unsicheren Finanzierungsbedingungen.

Digitalisierung und digitale Teilhabe 

Die Digitalisierung ist in der Eingliederungshilfe angekommen, zumindest größtenteils im Bereich der administrativen und kommunikativen Prozesse. Das zeigt sich unter anderem darin, dass ein Großteil der Einrichtungen bereits digitale Akten, Kommunikationsplattformen, Dokumentations- und Planungssoftware sowie E-Learning-Angebote nutzt. Der Einsatz innovativer Technologien wie KI-Tools, Assistenzsysteme, Smart-Home-Lösungen oder digitaler Assistenzen steckt hingegen noch in den Anfängen. 

Finanzierung und Ressourcenmanagement 

Bei den Finanzierungsmodellen wird ein deutlicher Wunsch nach Vereinfachung sichtbar. Als besonders hilfreich werden weniger Detailregelungen und stärker pauschalierte Modelle bewertet. Dies ergibt ein deutliches Signal aus der Branche: Vereinfachung und mehr Handlungsspielraum sind willkommen, Bürokratie und Komplexität hingegen hindern die Umsetzung der so wichtigen Ziele des BTHG und damit auch Innovationen. 

Strategische Entwicklungen der WfbM 

Die Teilhabe am Arbeitsleben ist ein zentraler Baustein der Eingliederungshilfe. Die Einrichtungen gehen dabei vielfach auf die Wünsche von Menschen mit Behinderungen ein und sind bemüht, deren Teilhabe am Arbeitsleben zu verbessern. Dabei liegt ein wesentlicher Fokus auf der Kooperation mit Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts und hier besonders auf dem Ausbau des Angebots ausgelagerter Arbeitsplätze. 

Studienkonzept & Stichprobe

Die Studie ist die vierte Veröffentlichung unserer Studienreihe zur Eingliederungshilfe und widmet sich erneut zentralen aktuellen Fragestellungen. Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung aus dem Herbst 2025, an der insgesamt 136 Leistungserbringer der Eingliederungshilfe teilgenommen haben.

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