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mene mene tekel u-parsin

Ein Kommentar von Matthias Dargel

In der Bibel konnte nur der Prophet Daniel diese Worte deuten, die nach einem rauschenden Fest plötzlich an der Wand standen: „gezählt, gewogen, für zu leicht befunden – das System des Königs war gescheitert“.


Aktuell sind in der Finanzierung und Gestaltung der Leistungen im Sozial- und Gesundheitswesen immer mehr Warnzeichen sichtbar, die richtig zu deuten sind: Nach vielen Jahren guter Entwicklung in eher risikoarmer Umgebung gab es viel Feierstimmung bei Politik, Anbietern und Kunden sozialer Leistungen – und bei vielen auch gute wirtschaftliche Ergebnisse. Jetzt, in der Krise, ist das auf einmal sehr anders und so mancher Anbieter kommt an seine (ökonomischen) Grenzen – weil Geschäftsmodelle z. B. bei stationärer Pflege oder Quartierskonzepten zu sehr auf „schönes Wetter“ getrimmt waren oder weil strukturelle Klärungen etwa im Bereich der Krankenhausplanung ausblieben und Ineffizienzen konserviert wurden. Nun aber kommt es mit Macht: Personalmangel, Energiekosten-, Baukostenexplosion etc. Und im Grundsatz ist das gut so, denn solide Konzepte werden sich auch in der Krise bewähren! Schließlich ist die Nachfrage eindeutig vorhanden und grundsätzlich auch reichlich Geld im System. Nur muss jetzt endlich optimiert werden: Leistungsumfänge, Qualitätsanforderungen, Standorte, Prozesse, Kosten, Digitalisierung uvm. sind neu zu gestalten. Zu beachten ist allerdings, dass die notwendigen Anpassungsprozesse und Marktbereinigungen nicht (nur) auf dem Rücken der Patient:innen und Klient:innen ausgetragen werden, denn die können für die Fehlsteuerung der letzten Jahre wirklich nichts. Hier müssen Politik und Kostenträger übergangsweise lokale Konsequenzen abfedern und positiv erläuternd begleiten – und so das Ziel der Strukturreformen vor allem bei den Kliniken, aber auch in der Finanzierung von Langzeitpflege etc. unterstützen und nicht bekämpfen. Die Trägervielfalt in der deutschen Sozial- und Gesundheitswirtschaft wird sicher auch dazu beitragen, dass allzu große Ausschläge vermieden werden und bei klaren Rahmenbedingungen auch wieder investiert wird. Mene mene tekel u-parsin – wer die Zeichen der Zeit erkennt, wird auch angemessen handeln!

Dieser Artikel stammt aus unserem Mandantenmagazin Curacontact, das 4 x im Jahr aktuelle Themen für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft, für Öffentlichen Sektor und Kirche aufbereitet. Interesse? Jetzt kostenlos abonnieren!