Studie zum Umsetzungsstand des Themas Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft
Studie Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft
Unsere neue Studie beleuchtet den aktuellen Umsetzungsstand des Themas Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft und zeigt dabei sowohl Fortschritte als auch Handlungsbedarf auf. Befragt wurden 115 Unternehmen aus den Branchen Krankenhaus, Pflege, Eingliederungshilfe, sowie Kinder- und Jugendhilfe.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft eine hohe Priorität hat, obwohl viele Unternehmen mit strukturellen und finanziellen Herausforderungen kämpfen.
Die zentrale Fragestellung der Studie lautete: Wie ist der Stand der Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, und in welchen Bereichen gibt es Handlungsbedarf?
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Zahlreiche Unternehmen haben sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und arbeiten aktiv an entsprechenden Initiativen. Dennoch zeigt die Untersuchung, dass eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die die Dimensionen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) einbezieht, oft noch fehlt. Eine solche Strategie sei jedoch essenziell, um nachhaltige Maßnahmen systematisch zu verankern.
Kein Geld, keine Finanzierung, kein Personal – und jetzt?
Neben der fehlenden Strategie sind es vor allem personelle und finanzielle Engpässe, die die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen erschweren. Viele Unternehmen verfügen nicht über ausreichende Ressourcen oder Konzepte zur Refinanzierung und sehen sich dadurch erheblichen Herausforderungen gegenübergestellt. Angesichts der gegenwärtigen finanziellen Belastungen ist es umso bemerkenswerter, dass zahlreiche Organisationen bereits Stellen für Nachhaltigkeit geschaffen haben oder planen, ihre Kapazitäten in diesem Be-reich auszubauen.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer vorausschauenden und strategischen Herangehensweise an das Thema Nachhaltigkeit. Zudem gibt sie Impulse und Lösungsansätze, um sich dem Thema zu nähern. Vor allem aber zeigt die Studie eines: Die Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sind auf einem guten Weg – aber es bleibt noch viel zu tun.
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Wichtigste Erkenntnisse
Nachhaltigkeitsstrategien sind eher Ausnahme als Regel:
68 % der befragten Unternehmen verfügen noch über keine explizite Nachhaltigkeitsstrategie; nur 30 % haben eine Strategie verabschiedet, 28 % konkrete Nachhaltigkeitsziele definiert und 22 % entsprechende Prozesse implementiert, während 47 % bereits Einzelmaßnahmen umsetzen.
Nachhaltigkeitsberichte stehen vor der Tür – viele sind noch nicht startklar:
Derzeit erstellen 11 % der Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht, weitere 63 % planen dies für 2024 oder 2025; 25 % wollen (vorerst) keinen Bericht erstellen. Die kurzfristige Relevanz von Nachhaltigkeit wird allerdings nur von 23 % als „sehr relevant“ eingeschätzt, obwohl für viele bereits ab dem Geschäftsjahr 2025 eine CSRD-Berichtspflicht gilt.
Ressourcenmangel ist das zentrale Umsetzungshemmnis:
69 % nennen fehlende personelle Ressourcen als größte Herausforderung bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts; für Nachhaltigkeitsmaßnahmen insgesamt werden fehlende personelle Ressourcen (75 %), fehlende Refinanzierbarkeit (73 %) und fehlende finanzielle Mittel (58 %) als wichtigste Hürden genannt.
ESG-Fokus liegt auf „S“ und „E“, Governance wird unterschätzt und Kennzahlen fehlen:
Unternehmen gewichten die Dimension Soziales am höchsten, gefolgt von Umwelt, während Governance als am wenigsten relevant eingeschätzt wird (25 von 100 Punkten im Mittel). Nur 4 % erheben Nachhaltigkeitskennzahlen systematisch; rund 70 % verfügen für die drei ESG-Dimensionen über keine strukturierten Kennzahlensysteme, und nur 10 % haben ein ESG-Rating oder -Assessment durchgeführt, in dem der größte Handlungsbedarf meist im Bereich „Ökologie“ liegt.
Nachhaltigkeit ist Chefsache, aber selten im Controlling verankert – trotz hoher erwarteter Relevanz:
In 72 % der Unternehmen liegt die Verantwortung für Nachhaltigkeit bei Vorstand/Geschäftsführung, nur bei wenigen im Controlling; lediglich 29 % behandeln das Thema im Aufsichtsgremium bzw. in einer Steuergruppe mit GF-Beteiligung, und bei 27 % fehlen Nachhaltigkeitskompetenzen sowohl in Geschäftsführung als auch Aufsicht. Gleichzeitig stufen die meisten Unternehmen Nachhaltigkeit mittelfristig (1–5 Jahre) und langfristig (ab 5 Jahre) als sehr relevant ein, und über 60 % sehen die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten ins Controlling als wichtig für den Organisationserfolg – der strukturelle Anker im Steuerungssystem fehlt aber vielfach noch.
Faktenüberblick
Ein Einblick
Nachhaltigkeit ist ganz klar Chefsache, oder?
ESG-Integration und Nachhaltigkeit sind heute wesentliche Themen für Unternehmen und ihre gesetzlichen Vertreter wie die Geschäftsführung bzw. den Vorstand. Umso wichtiger ist die klare Definition von Verantwortlichkeiten.
72 % der Unternehmen berichten, dass die Verantwortung für das Thema auf Ebene des Vorstands bzw. der Geschäftsführung angesiedelt ist. Geben die Unternehmen an, die Verantwortung liege nicht auf der Ebene von Vorstand bzw. Geschäftsführung, wird womöglich auf die operative Verantwortung abgestellt.
Die Gesamtverantwortung sollte jedoch angesichts der Tragweite des Themas Nachhaltigkeit beim Vorstand respektive der Geschäftsführung liegen.
Umsetzung innerhalb des Unternehmens durch spezialisierte Mitarbeitende und deren Entscheidungsbefugnisse
Eine eigene Stelle für das Thema Nachhaltigkeit haben bisher 35 % der befragten Unternehmen geschaffen. Bei 16 % sind dies Vollzeit- und bei 19 % Teilzeitstellen. Vielfach dürfte es sich hierbei um die Stelle eines Nachhaltigkeitsmanagers oder -beauftragten handeln, welche in der Regel als Stabstelle unterhalb der Vorstands- bzw. Geschäftsführungsebene angesiedelt ist. 19 % der Unternehmen geben an zu planen, eine derartige Stelle zu besetzen. In 44 % der befragten Unternehmen ist eine entsprechende Stelle hingegen weder aktuell besetzt noch wird dies geplant.
Der Beschäftigungsumfang bei den neu geschaffenen Stellen variiert. Der Mittelwert beträgt 0,88 Stellen bzw. Vollzeitäquivalente und dürfte in der Praxis u. a. von der Größe des Unternehmens abhängen. Entscheidungsbefugnisse haben 13 % der entsprechenden Mitarbeitenden. Bei weiteren 19 % ist dies zum derzeitigen Zeitpunkt nicht der Fall, jedoch in Planung. 32 % der Studienteilnehmer: innen verneinten das Vorhandensein von Entscheidungsbefugnissen.
Unabhängig von Entscheidungsbefugnissen haben spezialisierte Mitarbeitende in der Regel jedoch unmittelbaren Einfluss auf die Nachhaltigkeitsstrategien und sonstige mit Nachhaltigkeitsaspekten in Zusammenhang stehende Sachverhalte. Der geringe Anteil an Entscheidungsbefugten sollte daher nicht zu kritisch beurteilt werden.
Studienkonzept & Stichprobe
Die hier präsentierten Studienergebnisse sind das Resultat einer vollständig online durchgeführten Befragung, die von Anfang April bis Ende Juni 2024 stattfand. Nach Bereinigung setzt sich die Studienstichprobe aus 115 vollständig ausgefüllten Fragebögen zusammen. Befragt wurden sowohl Führungskräfte als auch Nachhaltigkeitsbeauftragte von Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft.
Die Studie mit ihrem breit angelegten quantitativen Studiendesign wird bereichert durch sieben Interviews mit Mitgliedern von Geschäftsführungen von Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft und mit Mitarbeitenden, die für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich sind, beispielsweise Nachhaltigkeitsbeauftragte, Stabstellen oder Referenten. Die Interviews wurden qualitativ ausgewertet und in den Studienergebnissen zusammengefasst.
Weitere Kommentare und Einschätzungen unserer Expert:innen und Experten zu den Umfrageergebnissen runden die Studie ab. In der Stichprobe sind freigemeinnützige Einrichtungen stark überrepräsentiert, denn 68 % der teilnehmenden Einrichtungen sind in freigemeinnütziger Trägerschaft.