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Rahmenwerke für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Ein Überblick

Große Unternehmen müssen ab 2023 nach einem aktuellen Vorschlag der EU in ihren Lagebericht eine Nachhaltigkeitsberichterstattung integrieren. Wir beschäftigen uns im folgenden Beitrag mit der Frage, auf welche Rahmenwerke man bei der Berichterstattung zurückgreifen kann.

Bezugnahme auf Rahmenwerke

Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) weist darauf hin, dass Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen, sich auf nationale, unionsbasierte oder internationale Rahmenwerke für die Berichterstattung stützen können. Wenn hiervon Gebrauch gemacht wird, ist anzugeben, auf welche Rahmenwerke Bezug genommen wurde.

Noch zu entwickelnder Standards der EU

Auf EU-Ebene soll die European Financial Reporting Advisory Group (kurz: EFRAG) die künftigen Berichterstattungspflichten durch Standards konkretisieren und vereinheitlichen. Die Zeitschiene ist in der Gesamtbetrachtung aber sehr knapp, da diese Standards erst für Oktober 2022 angekündigt sind.

Bei der Entwicklung dieser eu-weit einheitlichen Standards sollen folgende ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) beachtet werden:

Umweltfaktoren

Die sechs angegebenen Umweltfaktoren sind deckungsgleich mit den sechs Zielen in Art. 9 der Taxonomie-Verordnung. Diese werden sicherlich den Hauptteil der Umweltberichterstattung darstellen. Unternehmen sollen hier ihren "grünen" Anteil der Umsatzerlöse, der Investitionen und der Betriebsausgaben darstellen. Der Einstufung als "grün" werden dabei Maßstäbe zugrunde gelegt, die beinhalten, dass die Wirtschaftstätigkeit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von mindestens einem der sechs Umweltziele leistet, keines der anderen Ziele wesentlich beeinträchtigt und soziale Mindeststandards eingehalten werden.

Sozialfaktoren

Bei den Sozialfaktoren wird es darum gehen, u.a. Angaben zu Menschen- und Freiheitsrechten, Demokratieprinzipien und -standards zu machen.

Governancefaktoren

Angaben zu Governancefaktoren beinhalten neben Angaben zur Aufbauorganisation und zu Kontrollstrukturen u.a. Angaben zu Lobbying, zu Antikorruptionsaktivitäten oder zum Zahlungsverhalten.

Bereits existierende Rahmenwerke

Angesichts der knappen Zeitschiene bis zur Erstellung bzw. Prüfung der ersten Nachhaltigkeitsberichte Anfang 2024 erscheint der Plan, seitens der EU bis Oktober 2022 Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu veröffentlichen, extrem knapp. Es dürfte für die meisten Unternehmen nicht ausreichen, bis dahin abzuwarten und sich erst dann mit dem Thema zu beschäftigen. Es empfiehlt sich bereits jetzt mit bereits existierenden Standards bzw. Rahmenwerken auseinander zu setzen.

Einheitliche Berichterstattungsstandards bzw. Rahmenwerke, insbesondere für den Mittelstand oder auch branchenbezogen, gibt es noch keine.

Gleichwohl muss das Rad nicht neu erfunden werden. Es gibt mehrere Rahmenwerke, deren Nutzen darin bestehen kann, dass man sich an diesen als Hilfsmittel orientiert. Zu nennen ist hier z.B. die DIN ISO 26000 Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen, oder Vorgaben der GRI (Global Reporting Initiative). Nicht ganz so komplex wie diese internationalen Rahmenwerke und somit für den Mittelstand wahrscheinlich eher geeignet, erscheint eine Orientierung an den 20 Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Diese gehen auf unterschiedliche Aspekte angefangen von der Nachhaltigkeitsstrategie, über Nachhaltigkeitsziele, der Verantwortlichkeit der Unternehmensleitung, Regeln und Prozesse im operativen Geschäft mit Bezug zu Nachhaltigkeitsaspekten bis hin zum Ressourcenmanagement mit Stichworten wie Nutzung von erneuerbaren Energien oder klimarelevanten Emissionen und Arbeitsnehmerrechten zur Förderung des Nachhaltigkeitsmanagements des Unternehmens.

Es ist geboten, sich besser heute als morgen mit dem Thema der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu beschäftigen. Der Nachhaltigkeitsbericht sollte als wichtiges, strategisches Instrument und somit durchaus positiv gesehen werden.

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